Ehemaligenkonzert 2015

Ganz im Zeichen des 150-jährigen Klosterjubiläums der Wettenhausener Dominikanerinnen, des 60. Geburtstages des St.-Thomas-Gymnasiums und des 25-jährigen Bestehens der Chorschule stand das diesjährige Ehemaligenkonzert des St.-Thomas-Gymnasiums Wettenhausen. Das Vokalensemble „Serafinen“, das aus Abiturientinnen der 90er Jahre besteht, kam zu diesem Anlass extra wieder zusammen. Mit namhaften Solistinnen, die ihre Schulzeit ebenfalls in Wettenhausen absolviert haben, machten sie den künstlerischen Nachmittag im akustisch optimalen Rahmen des klösterlichen Kaisersaales zu einem wahren „Fest der Stimmen“.

Das Traditionskonzert wird vom Förderkreis der Schule veranstaltet. Dessen Vorsitzende Elke Hamberger, Mutter zweier Schüler, einer Abiturientin und einer „Ehemaligen“, drückte ihre Freude über das große öffentliche Interesse an sämtlichen Feierlichkeiten und Konzerten rund um Schule und Kloster aus. Als Hausherrin begrüßte Schwester Amanda Baur OP die Künstlerinnen und deren Auditorium. Einige der anwesenden Damen hatten zu ihrer Schulzeit sogar die Ehre, den ehrwürdigen Kaisersaal ihren Schlafsaal nennen zu dürfen.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung gab es eine Überraschung für Musiklehrer Jürgen Rettenmaier, der eigentlich nur als Gast lauschen wollte, was seine ehemaligen Schülerinnen und Schüler heute an musikalischem Repertoire zu bieten haben. Markus Putzke, selber Absolvent des Wettenhausener Gymnasiums und dort jetzt ebenfalls als Musikpädagoge tätig, gratulierte nämlich nicht nur zum 25-jährigen Bestehen der Chorschule, die Rettenmaier gegründet hat und seit 1990 leitet. Er bat den beliebten Lehrer auch ans Dirigentenpult. Elf der zahlreichen ehemaligen Chorschülerinnen hatten die „Vogelkantate“ eingeübt, die als allererstes Stück des Ensembles zur Aufführung gekommen war. Selbstverständlich sollte diese bezaubernde Komposition unbedingt unter der Stabführung Rettenmaiers präsentiert werden.

Rein und berührend in ihrer Musikalität setzten die „Serafinen“ das Konzert mit dem berühmten A-capella-Terzett „Hebe deine Augen auf“ aus dem Oratorium „Elias“ von Felix Mendelssohn-Bartholdy fort. Demselben Werk entstammt die Arie „Sei stille dem Herrn“, die Beate Winter mit ihrer wundervoll warmen Altstimme präsentierte. Die Sängerin hatte unter anderem bereits Engagements am Deutschen Nationaltheater in Weimar und an der Hamburgischen Staatsoper. Sie agiert heute auch als Stimmbildnerin beim Münchner Michaelschor. Susanne Steinle verbrachte ihre Schulzeit im Augsburger Gymnasium St. Stephan und am St.-Thomas-Gymnasium. Als ausgebildete Sopranistin und vielseitige Gesangssolistin hat sie ihre Erfahrungen und ihr Wissen schon oft und mit viel Hingabe an die „aktuellen“ Wettenhausener Schüler vermittelt. Innerhalb des Ehemaligenkonzertes begeisterte sie mit strahlender und volumenstarker Tongebung innerhalb der „Thannhäuser“-Arie „Dich, teure Halle“ und Giuseppe Verdis „È strano!“, Arie der Violetta aus der Oper „La Traviata“. Mit Amilcare Ponchiellis „Suicidio“, Arie der Gioconda aus der gleichnamigen Oper, und deren in all ihrer Dramatik hellen und klaren Umsetzung verzauberte Sopranistin Alexandra Untiedt das Publikum ebenso wie mit ihrer gefühlsintensiven Interpretation der Arie „Melodia“ aus der Verdi-Oper „La Forza del Destino“. Untied ist unter anderem erste Preisträgerin des Internationalen Gesangswettbewerbes „Grandi Voci“ in Salzburg, Finalistin der „Armel Opera Competition“ in Zusammenarbeit mit dem Fernsehsender ARTE sowie Semifinalistin des Internationalen „Maria Bieşu Wettbewerbes“ in Moldavien. Noch bevor Susanne Niebling ihr Studium an der Musikhochschule Köln beendet hatte, erhielt sie Engagements im Studio der Oper Köln. Weiterhin ist die Sängerin unter anderem schon an den Opernhäusern in Dortmund, Magdeburg und Regensburg zu hören gewesen. Beim Ehemaligenkonzert brachte Niebling die Lieder „Allerseelen“, „Die Nacht“ und „Zueignung“ von Richard Strauss in imponierend gehaltvoller und vielschichtiger Manier zu Gehör.

Ruth Atzinger wartete dann mit einer komplett anderen Musikrichtung auf. Sie überraschte so manchen Zuhörer mit Cathy Berberian „Stripsody“, einem gewaltigen Stimmumfang und einer einzigartigen Mischung aus Sprechblasen-Poesie à la „Peanuts“ und „Superman“, rein stimmlich erzeugten Alltagsgeräuschen, Kurzsequenzen aus Film-Dialogen sowie passenden Projektionen aus der Partitur. Atzinger hat in Köln und Den Haag Jazzgesang studiert. Sie ist Gründerin des Münchner „projecto sul“, das es schafft, einen musikalischen Bogen zwischen Bayern und dem von der Sängerin heißgeliebten Portugal herbeizuführen. Modern, aber trotzdem im vollen Kontrast zum vorhergehenden Stück stellten die „Serafinen“ anschließend anhand des bekannten Folkstückes „All my Trials“ ein zweites Mal unter Beweis, dass sie seit ihrer „aktiven Zeit“ nichts verlernt haben. Zum Abschluss des Konzertnachmittags erklang das „Finale II“ aus der „Fledermaus“ von Johann Strauß, welches die „Klassik-Solistinnen des Tages“ nun als hochkarätiges Ensemble mitreißend melodiös und beschwingt intonierten.

Insgesamt konnten Hausherrin Schwester Amanda und ihre Gäste überzeugt resümieren: „Sehr, sehr schön war´s!“ Elke Hamberger bedankte sich bei allen Mitwirkenden und vor allem bei Markus Putzke. Er hat seit Jahren die musikalische Organisation der Veranstaltung inne und agierte auch heuer wieder durch das gesamte Programm hindurch als der „Mann am Klavier“.

Selbstverständlich ließ es sich anschließend keiner der Gäste nehmen, die vom Förderkreis des St.-Thomas-Gymnasiums liebevoll und in langer Vorbereitungszeit aufgebaute Foto-Ausstellung über die Geschichte und die Entwicklung der Dominikanerinnen-Schulen in Wettenhausen zu besuchen. Hauptverantwortlich für sämtliche Exponate zeichnen die ehemalige Schülerin Anja Elsäßer und der Deutsch- und Geschichte-Lehrer Josef Wecker. Die Ausstellung kann noch bis zum 31. Juli besichtigt werden.

Bilder:

  1. Rettenmaier: Elf ehemalige Chorschülerinnen freuten sich, dass sie noch einmal unter der Leitung ihres Mentors Jürgen Rettenmaier auftreten durften.
  2. Solistinnen_Ensemble: Zum großen Finale präsentierten sich die Klassik-Solistinnen des Tages – (v.l.) Susanne Steinle, Beate Winter, Alexandra Untied und Susanne Niebling – im Ensemble.
  3. Gruppe: Sämtliche Sängerinnen des Tages genossen zusammen mit dem musikalischen Leiter Markus Putzke, Schwester Amanda und Elke Hamberger, Vorsitzende des Förderkreises des St.-Thomas-Gymnasiums, den langanhaltenden Applaus der begeisterten Zuhörer.
    (Frau Hamberger steht hinter Schwester Amanda)
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