Fulminante „Carmina Burana“ von Carl Orff

Musikalisches Gemeinschaftsprojekt mit dem St.-Bonaventura-Gymnasium Dillingen

 

Am Freitag, 10. Juni, und am Samstag, 11. Juni, haben rund 250 Mitwirkende das musikalische Gemeinschaftsprojekt unseres Gymnasiums, des St.-Bonaventura-Gymnasiums Dillingen, befreundeter Chöre und Solisten zu einer unvergesslichen Reise durch mannigfaltige Klangwelten gemacht. Die Musikerinnen und Musiker funktionierten die St.-Thomas-Schulturnhalle und die Dillinger Sebastian-Kneipp-Turnhalle mit ihren Interpretationen der „Carmina Burana“ von Carl Orff und der symphonischen Suite aus „Pirates of the Caribbean“ („Fluch der Karibik“) von Klaus Badelt in riesige Konzertsäle um und faszinierten nicht zuletzt durch erfrischenden Elan und professionelle musikalische Leistungen.

Unter der Leitung der Musiklehrkräfte Michael Finck (Dillingen), Rainer Hauf (Wettenhausen und Dillingen), Markus Putzke und Jürgen Rettenmaier (beide Wettenhausen) wurde bereits seit Schuljahresanfang eifrig auf diese beiden Vorstellungen geprobt. Die Mitwirkenden aller Altersklassen opferten viel Freizeit und Herzblut für die Vorbereitung, hatten aber nach eigener Aussage zu jeder Zeit einen „Riesenspaß“ dabei. Schulleiter Albert Reile betonte in seiner Ansprache: „Arbeit und Mühen haben sich hör- und sichtbar gelohnt. Dieses Projekt stellt – nicht nur das laufende Schuljahr betreffend – ganz klar ein wirklich schillerndes Highlight dar. Wir freuen uns, dass die Zusammenarbeit zwischen den musischen Gymnasien in Dillingen und Wettenhausen, die beide zum Schulwerk der Diözese Augsburg gehören, so vorbildlich und erfolgreich verlaufen ist.“

Zum „Einheizen“ entführte das Orchester seine zahlreichen Gäste mit der symphonischen Suite aus „Pirates of the Caribbean“ in die Welt des eigenwilligen Seeräuberkapitäns Jack Sparrow. Geheimnisvoll ruhig beginnend und sich in Volumen und Intensität bis zum fulminanten Ende hin mehr und mehr steigernd, schafften es die überwiegend jugendlichen Musikerinnen und Musiker, das Auditorium mit ihrer Werkinterpretation genau in der Manier zu fesseln, die eine echte Piratenweise verlangt.

Weiter ging die musikalische Reise dann sowohl in andere geographische Gefilde als auch in andere Zeiten. Als im Jahre 1803 in der Bibliothek des Klosters Benediktbeuren eine Anthologie von über 250 mittellateinischen, mittelhochdeutschen, provenzalischen und altfranzösischen Lied- und Dramentexten entdeckt wurde, nannte man diese nämlich „Carmina Burana“ („Beurer Lieder“). Die gleichnamige szenische Kantate von Carl Orff ist in den Jahren 1935 und 1936 entstanden und enthält mittellateinische und mittelhochdeutsche Texte dieser „Weisen aus Benediktbeuren“.

Explizit führt die „Carmina“ Musizierende und Publikum nach dem bekannten, ehern wirkenden Gesang der Glücksgöttin Fortuna zunächst in den abendländischen Frühling mit all seiner ihm nachgesagten Liebessehnsucht und Freude am Tanz, bevor es ins zünftige und hörbar derbe Wirtshaus geht. Ganz besonders überzeugte hier Lukas Wohllaib mit seinem Gesang des „gebratenen Schwans“.

Dieser für einen Tenor sehr hohe Part unterstrich unter anderem die bewundernswerte, schon sehr ausgereifte Technik des jungen Künstlers. Anschließend ging es in den „Hof der Liebe“, einen Teil der Kantate, der die beiden professionellen Gesangssolisten Susanne Steinle und Daniel Weiler nicht nur in mitreißenden Einzelvorträgen sondern auch im anrührenden Duett brillieren ließ. Die Burgauer Sopranistin und ehemalige St.-Thomas-Schülerin hat Gesang studiert. Momentan arbeitet sie am Aufbau ihres Sopran-Repertoires und ist gleichzeitig in zahlreichen Konzerten zu hören. (Steinles Part wurde in der zweiten Vorstellung von der Dillingerin Annette Sailer übernommen.) Der Münchner Bariton Daniel Weiler sang im Sommer letzten Jahres in Salzburg und Madrid. Er stand unter anderem bereits mit sehr bekannten Formationen wie dem Wiener Kammerorchester auf der Bühne. 

Der riesige Schüler- und Lehrerchor – komplettiert durch Sängerinnen und Sänger der Stiftskantorei Gundelfingen, der Günzburger „Camerata Vocale“ sowie des Vokalensembles Dinkelscherben – und das mit befreundeten Musikerinnen und Musikern angereicherte Orchester überzeugten während des gesamten Konzertabends in harmonischem wie expressivem Zusammenklang, der sämtliche Zuhörer in seinen Bann zog. Dies dürfte ganz dem Sinne Carl Orffs entsprochen haben, welcher mit den „Carmina Burana“ Musikbegeisterte aus nah und fern einen wollte.

Andrea Linder

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