Shakespeares „Sturm“ wirbelte über 800 Zuschauer in unsere Schule

Zahlreiche Akteure machten das Stück zu einem einzigartigen Erlebnis

 

Das Junge Theater am St.-Thomas-Gymnasium Wettenhausen lud am Freitag, 14., und am Samstag, 15. März, jeweils ab 19.30 Uhr zu William Shakespeares „Sturm“ in den Thomas-Saal unserer Schule ein. Am Sonntag, 16. März, begann die Vorstellung bereits um 18 Uhr.

Unter der Gesamtleitung von Deutschlehrer Peter Berger hatten sich insgesamt 21 Schülerinnen und Schüler der 12. Jahrgangsstufe zusammen mit dem Unterstufenchor, dem Renaissance-Ensemble der 11. Klassen sowie weiteren Instrumentalisten und Sängern an Interpretation und Inszenierung der anspruchsvollen Shakespeare-Romanze gewagt. Um den Zuschauern eine modern gestaltete Aufführung bieten zu können, hatten die Akteure bereits seit Anfang des Schuljahres fleißig an dem Stück gefeilt und eifrig auf die Vorstellungen geprobt. Als besondere Herausforderung galt laut den Zwölftklässlern unter anderem eine ansprechende Umsetzung der volkstümlich-märchenhaften Züge dieses Werkes.

Die Frage, warum Shakespeares „Sturm“ für eine Schultheater-Inszenierung gewählt wurde, beantwortete Berger, ein über die Grenzen Wettenhausens bekannter Regisseur und Hobby-Schauspieler, folgendermaßen: „Das Stück kann man als eine Auseinandersetzung mit dem allseits präsenten Streben nach Karriere verstehen. Dies ist natürlich eine Form des Machtstrebens, mit dem angehende Abiturienten in besonderer Weise befasst sind. Es gibt in dem Drama skrupellose Machtmenschen, die selbst vor einem Brudermord nicht zurückschrecken. Es kommt auch ein Adeliger vor, der in der Loyalität zum Herrscher seine Bestimmung sieht und bei dem man sich die Frage stellt, ob hinter seiner Haltung tatsächlich Weisheit steckt, oder ob ihn doch eher blanker Opportunismus leitet. Es gibt einen Rebellen gegen den aktuellen Machthaber, der in seinem Wunsch nach Freiheit aber sofort bereit ist, sich einem neuen und viel schlechteren Tyrannen unterzuordnen, weil der sich bereiterklärt, den alten zu ermorden. Herrschaft kann aber auch als Chance erlebt werden, endlich selber einmal nach unten treten zu dürfen, da man bisher zu denen gehörte, die straflos getreten werden durften. Auch dazu findet sich eine Figur im Stück. Die Lust an prächtigen Gewändern kann überdies eine Motivation zur Karriere sein, denn Kleider machen Leute.“

Wenn man in Shakespeares Sturm mitspiele, dürfe man auch von einer besseren Welt träumen, so die schauspielernden Zwölftklässler. Prospero, die von Stefanie Baumeister wahrlich magisch dargestellte Zentralfigur des Stückes, ist eine Art Zauberer, der mit der Kraft seines Geistes und durch fleißiges Studium seiner Bücher Macht über die Natur gewonnen hat. Er inszeniert das ganze Stück mit der kreativen Kraft eines Dichters. Der Zauberer befiehlt Ariel, seinem Lieblingsgeist, einen Sturm zu entfesseln, gerade in dem günstigen Augenblick, als seine Feinde, die ihn entmachtet, vertrieben und fast ermordet haben, auf einer Flotte an seiner Insel vorbeifahren. Sie werden an Land getrieben und – getrennt in verschiedene Gruppen – im Irrgarten des Dschungels im Kreis herumgeführt. An diesem Tiefpunkt der Verzweiflung zeigen alle ihr wahres Gesicht. Die einen geben ihre Hoffnung auf, die anderen wittern die Möglichkeit, auf der Insel eine neue Herrschaft zu beginnen. Utopien von einem Goldenen Zeitalter werden entwickelt, Mordpläne geschmiedet, um selber Macht auskosten zu können. Und jeder sehnt sich nach einem Neuanfang und nach Freiheit. Das heißt: nach dem, was er für Freiheit hält...

„Der Sturm“ war für unsere Schule laut Regisseur Berger auch aus dem Grund mehr als geeignet, weil er die Möglichkeit bot, bei der Realisierung der fantastischen Aktionen Schüler und Kollegen mit musikalischen Beiträgen und Produkten aus dem Kunstunterricht einzubeziehen. Der Unterstufenchor kam zum Beispiel mit Gesang, Percussion und Aktionen mit Masken und Phantasiekostümen zum Einsatz. Weiterhin setzte Bergers Inszenierung ganz auf die optische Wirkung von Projektionen, aber nicht um mit deren Hilfe Kulissen zu erzeugen, sondern um die magischen Aktionen vom gewöhnlichen Geschehen abzusetzen und atmosphärisch zu gestalten. Hierzu wurden Malereien von Schülerinnen und Schülern verwendet.

Andrea Linder

 

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